Checkliste Ernstfall: was Angehörige sofort brauchen
Ein Unfall, ein Schlaganfall, eine plötzliche Erkrankung: Im Ernstfall müssen Angehörige innerhalb von Stunden Dinge finden, wissen und entscheiden. Diese Checkliste zeigt, was dann sofort zählt – damit du sie heute vorbereiten kannst, solange nichts drängt. Die kompakte Version bekommst du unten per E-Mail.
Warum eine Checkliste?
Der Ernstfall ist ein Ausnahmezustand: Die Gedanken sind bei der betroffenen Person, und gleichzeitig verlangen Klinik, Bank und Behörden nach Dokumenten und Entscheidungen. Wer dann suchen, raten und improvisieren muss, verliert Zeit und Kraft. Alles Folgende lässt sich an einem ruhigen Nachmittag vorbereiten – und entlastet deine Angehörigen genau dann, wenn sie es am wenigsten leisten können. Wie schnell es ernst wird, zeigt der Bericht Elternteil hatte einen Schlaganfall.
1. Die Vorsorgedokumente: was Angehörige zuerst brauchen
Ohne diese Dokumente sind Angehörige rechtlich weitgehend handlungsunfähig – was ohne Vollmacht geht und was nicht, haben wir separat aufgeschlüsselt:
- Vorsorgevollmacht: Wer darf für dich handeln – bei Gesundheit, Finanzen, Behörden, Verträgen? Das wichtigste Dokument im Ernstfall. Die bevollmächtigte Person braucht das Original.
- Patientenverfügung: Welche medizinischen Maßnahmen willst du – und welche nicht? Eine Kopie gehört in die Klinikakte.
- Betreuungsverfügung: Falls es doch zu einer rechtlichen Betreuung kommt – wen soll das Gericht bestellen?
- Hinweiskarte im Geldbeutel: dass es diese Dokumente gibt, wo sie liegen und wer zu verständigen ist. Die beste Verfügung hilft nicht, wenn niemand von ihr weiß.
Dazu griffbereit: Versichertenkarte, Personalausweis, Impf- und Allergiepass sowie eine aktuelle Medikamentenliste – nach ihr fragt die Klinik als Erstes.
2. Die Kontakte: wen Angehörige erreichen müssen
- Hausarztpraxis (kennt Vorerkrankungen und Medikation),
- engste Angehörige und die bevollmächtigte Person mit aktuellen Telefonnummern,
- Arbeitgeber (Krankmeldung durch Angehörige in den ersten Tagen),
- Kranken- und Pflegekasse mit Versichertennummer,
- falls vorhanden: Pflegedienst, Fachärzte, Anwalt oder Steuerberater.
Diese Liste gehört auf Papier zu den Dokumenten – nicht nur ins Handy, das im Ernstfall gesperrt, leer oder verloren sein kann.
3. Finanzen und Verträge: der Überblick
Bevollmächtigte müssen wissen, was es überhaupt gibt. Eine schlichte Übersicht genügt:
- Konten und Depots (Bank und IBAN – keine PINs!), plus: Gibt es eine zusätzliche Konto- oder Bankvollmacht? Banken verlangen oft ihre eigenen Vordrucke.
- Laufende Zahlungen: Miete, Versicherungen, Abos – was läuft per Dauerauftrag, was muss aktiv bezahlt werden?
- Versicherungen mit Policennummern (Kranken-, Unfall-, Berufsunfähigkeits-, Sterbegeldversicherung),
- digitale Zugänge: Hinterlege Passwörter nicht auf der Checkliste selbst, sondern verweise auf einen sicheren Ort – etwa einen Passwort-Manager mit hinterlegtem Notfallzugriff oder einen versiegelten Umschlag im abschließbaren Fach.
4. Die Reihenfolge im Ernstfall
Für den Fall selbst – als Angehörige gehst du so vor:
- Medizinische Versorgung sicherstellen. Notruf, Klinik – darum kümmern sich die Profis. Patientenverfügung und Medikamentenliste in die Klinik bringen.
- Vertretung klären. Vollmacht suchen und vorlegen. Gibt es keine: prüfen, ob die Ehegattennotvertretung greift, sonst früh eine Betreuung beim Gericht anregen.
- Laufende Kosten sichern. Daueraufträge laufen weiter; Rechnungen und Post sammeln, Fristsachen notieren.
- Arbeitgeber und Kassen informieren. Krankmeldung, bei absehbarem Pflegebedarf früh den Pflegegrad-Antrag stellen – Leistungen gibt es erst ab Antragstellung.
- Erst dann alles Weitere. Verträge, Wohnung, Langfristiges hat Zeit, bis die Vertretungsfrage geklärt ist.
Heute vorbereiten, in einer Stunde erledigt
Der größte Hebel auf dieser Liste sind die Vorsorgedokumente – alles andere ist Zettelwirtschaft, die du an einem Nachmittag ordnest. Mit OVE erstellst du Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung in 15-Minuten-Schritten auf dem Handy, orientiert an den Vorlagen des Bundesjustizministeriums. Alle Schritte sind kostenlos, das fertige PDF kostet 9,99 € einmalig – alle drei Dokumente im Komplettpaket 19,99 €.
Und die Checkliste selbst? Die kompakte Version zum Abhaken schicken wir dir per E-Mail – trag dich dafür unten ein.
Häufige Fragen zur Ernstfall-Checkliste
Was brauchen Angehörige im Ernstfall als Allererstes?
Die Versichertenkarte, eine aktuelle Medikamentenliste und die Patientenverfügung für die Klinik – und die Vorsorgevollmacht im Original, damit überhaupt jemand rechtlich handeln darf.
Wo bewahre ich die Unterlagen am besten auf?
An einem festen Ort, den deine Angehörigen kennen, etwa in einem beschrifteten Ordner. Wichtig ist der Hinweis im Geldbeutel, wo die Dokumente liegen und wer bevollmächtigt ist. Ein Bankschließfach ist ungeeignet, weil Angehörige ohne Vollmacht nicht herankommen.
Sollen Passwörter mit auf die Checkliste?
Nein. Auf die Liste gehört nur der Verweis, wo Zugänge sicher hinterlegt sind, zum Beispiel in einem Passwort-Manager mit Notfallzugriff oder einem versiegelten Umschlag an einem geschützten Ort.
Reicht die Checkliste ohne Vorsorgedokumente?
Nein. Kontakte und Übersichten helfen beim Organisieren, aber rechtlich handeln dürfen Angehörige nur mit einer Vollmacht. Ohne sie bleibt trotz bester Vorbereitung nur der Weg über das Betreuungsgericht.
Wie oft sollte ich die Checkliste aktualisieren?
Einmal im Jahr und zusätzlich bei größeren Änderungen: neue Medikamente, neue Konten oder Versicherungen, geänderte Kontaktdaten oder eine neue bevollmächtigte Person.